Schaute man sich die Starterliste vor der Marathon-DM im saarländischen St. Ingbert genauer an, wurde schnell klar, dass niemand aus der deutschen MTB-Spitze fehlte. Alle Marathon- und Cross-Country-Spezialisten fanden sich zum großen Kräftemessen ein. Es fehlten nur Manuel Fumic und der verletzte Stefan Sahm.
Fotos: Erwin Reiser
Als ich völlig verdreckt, fix und fertig und den halben Wald in den Augen die Ziellinie in St. Ingbert überquerte, war ich so erleichtert. Ich befand mich in einer prächtigen Verfassung und mein Material hat unter den extremen Bedingungen zwar unglaublich gelitten, aber überlebt. Vor allem die Bremsbeläge musste ich bis aufs Metall quälen, aber die Magura-Stopper funktionieren selbst dann (siehe Foto).
Die Startphase war wie immer sehr nervös, es ging los, wie bei der Feuerwehr. Vielleicht lag es am kühlen und nassen Wetter, so konnte ich fürs Erste nicht mit der Spitze mitgehen. Erst nach ca. 15 Kilometern schloss ich zur 10-köpfigen Spitzengruppe. Von da an hatte ich nie Probleme, das Tempo mitzugehen. Erst gegen Ende der ersten 50-Kilometer-Schlaufe forcierte der spätere Sieger Mortiz Milatz (BMC) die Geschwindigkeit. Er setzte sich ab, dahinter Karl Platt (Bulls) mit Hannes Genze (Merida), dann folgte ich zusammen mit Matthias Leisling.
Sehr lang hatten wir die Beiden im Sichtfeld, schafften es aber nie sie einzuholen und verloren sie bald aus dem Auge. Irgendwann bekamen wir von Zuschauern zugerufen, dass wir an dritter und vierter Position lagen. Ich dachte mir, „Können die nicht bis 5 zählen?“. Ich hatte nicht mitbekommen, dass Hannes Genze einen Ausflug ins Unterholz gemacht hatte und später die Hilfe in der Techzone in Anspruch nehmen musste. Darum sahen wir nicht, wie wir an ihm vorbeifuhren. So war ich sogar bis drei Kilometer vor dem Ziel auf Bronzekurs.
Doch Hannes fuhr wieder auf uns auf und dann auch vorbei. Ich hatte alles an Energie auf der Strecke gelassen, vor meinen Augen flimmerte es schon. Auch Matthias Leisling konnte ich nicht mehr halten.
Trotzdem bin ich mit meinem Ergebnis hochzufrieden und überglücklich. Jetzt weiß ich, wo ich leistungsmäßig stehe. Und das ist ganz vorn in der deutschen Spitze. Das war der Beginn meines goldenen Herbstes.
Am kommenden Freitag beginnt die 3-tägige Sparkassen Trans Zollernalb, die nicht weniger prominent besetzt sein. In meinem Wohnzimmer will ich ganz vorn mitmischen.
Torsten








