Im letzten Jahr feierte die Sparkasse TRANS Zollernalb ihre Premiere, letztes Wochenende kam es zur Neuauflage der Etappenfahrt über drei Tage. Schon wie im letzten Jahr war es die pure Raserei. Ich verbesserte mein Resultat von 2010 und wurde in der Endabrechnung Achter.
Die erste Etappe führte von dem Imnauer Mineralquellen Werksgelände in Bad Imnau in die Innenstadt von Balingen. Zwar waren nur knapp 60 Kilometer mit 900 Höhenmetern zu bewältigen, das hört sich nach Einrollen an, doch die Sportler machen ein Rennen schwer oder leicht. Das hängt nicht von der Topographie ab. Das Anfangstempo war zügig, welches sich nach 20 Kilometern in maximale Geschwindigkeit wandelte. Die Anstiege waren nicht besonders lang, so wurde jede Erhebung „volley“ genommen. Karl Platt gelang sich abzusetzen, nur Mennen, der Österreicher Lakata und der Schweizer Moos konnten folgen. Ich steckte mit vielen anderen Favoriten in der Verfolgergruppe. Wir waren uns zwar einigermaßen einig, was die Nachführarbeit betraf, trotzdem konnten wir den Rückstand nicht mehr verringern. René fuhr noch als Erster unserer Gruppe ins Ziel, wurde somit Fünfter.Ich rettete mich mit einem Schleicher am Hinterrad zeitgleich als 12. durch den Zielbogen.
Vor der zweiten Etappe hatte ich etwas Respekt. Tags zuvor war es schon sehr hart und ich war mir nicht ganz sicher, ob ich genug regeneriert hatte. Nach den ersten Metern waren alle Zweifel verflogen. Ich konnte ausgezeichnet mobilisieren und der Puls war sehr elastisch. Hinauf nach Tieringen war das Profil eher treppenartig. Viele Kontrahenten waren schon abgehängt, als Alban Lakata begann, jede einzelne Welle hinauf zu sprinten. Es muss die fünfte Forcierung gewesen sein, als ich ebenfalls nicht mehr folgen konnte, nahm Tempo raus und ließ mich in die nachfolgende Gruppe mit dem französischen Meister Thomas Dietsch zurückfallen. Insgesamt waren wir als 10er-Trupp über das wellige Plateau über die Alb nach Albstadt unterwegs. Am letzten längeren Anstieg kam es nochmals zum Kräftemessen. Ich hielt dagegen und erreichte als Neunter vor Dietsch und Hardter den Zielbogen.
In der Gesamtwertung rangierte ich vor der abschließenden Etappe von Albstadt in meine Heimatstadt Hechingen an neunter Stelle. Realistisch war, mich noch um eine Position nach vorn zu schieben. Nur hieß mein Widersacher Thomas Dietsch. Wir lagen innerhalb einer Sekunde. Es könnte also noch eine private Sprintentscheidung geben, bei der jede Zehntel zählen könnte.
Im ersten Anstieg war gleich richtig Alarm. Robert Mennen, der spätere Gesamtsieger, versuchte das erste Mal sich abzusetzen, was ihm bis zur ersten Sprintentscheidung gelang. Beim zweiten Anstieg, hinauf nach Winterlingen, attackierte Hannes Genze. Nur Mennen fuhr ihm nach. Ich selbst war zu diesem Zeitpunkt etwas eingebaut und konnte nicht mehr zu den Führenden aufschließen. Die drei großen Favoriten Platt, Lakata und Moos schauten sich nur an und keiner von ihnen wollte Nachführarbeit leisten, das reinste taktische Straßengeplänkel. Es wurde derart gebummelt, dass schon bereits abgehängte Fahrer wieder mühelos aufschließen konnten und wir mindestens 25 Biker zählten. Irgendwann war mir das auch zu blöd und ich spannte mich für 15 Kilometer vor den großen Haufen, um mal ein bisschen vorwärts zu kommen. Ich fuhr aber nie in meinen „roten“ Bereich. Später übernahmen doch die Bulls-Jungs daTempodiktat. Erst nach der letzten Verpflegung in Hechingen-Boll kam es zum Ausscheidungsfahren, denn da wartete der letzte steile Scharfrichter.
Ich konnte mich sehr gut halten und meinen direkten Konkurrenten im Gesamtklassement distanzieren. Zu viert ging es auf die letzten Meter, leider hatte ich keine Sprinterbeine und hatte gegenüber meinen direkten Gegner nichts mehr entgegenzusetzen und wurde Tageselfter. Aber das war ja zweitrangig. Wichtiger war, dass ich in der Endabrechnung einen Platz nach oben kletterte.
Je länger die Saison dauert, desto besser komme ich in Schwung. Die drei Tage waren natürlich unglaublich hart und ich war nicht nur einmal am absoluten Limit. Besonders der letzte Tag zeigte, dass ich die Belastungen sehr gut wegstecke. Es bleibt die Erkenntnis, dass es nur noch eine Nuance ist, ganz vorn zu landen. Und, besonders viel Spaß macht es, im eigenen „Wohnzimmer“ Rennen zu fahren.
Torsten












